Hüftgelenksdysplasie (HD)

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Definition: Die HD ist eine genetisch bedingte, konstruktive Gelenkserkrankung, deren phänotypisches Erscheinungsbild in unterschiedlichem Maße von Umweltfaktoren beeinflusst wird. Neben der fehlerhaften Anlagen von Azetabulum und Femurkopf und der weichen Gelenkspfanne kann auch ihre Entwicklung und Ausbildung betroffen sein. Sie verläuft progressiv und mündet immer in eine mehr oder weniger ausgeprägte Osteoarthrose.

Die HD tritt praktisch bei allen normalwüchsigen Rassen und deren Mischlingen auf, unabhängig von der Körpergrösse.

Erklärtes Ziel des HD-Screenings aller Rassen ist nicht nur die Untersuchung der Elterntiere, sondern vielmehr die Untersuchung aller registrierten Nachkommen. Somit kann auch eine Zuchtwertschätzung zur Anwendung kommen. Aus diesem Grunde ist beim Austrian-Wolf Kennel die HD-Untersuchung im Welpenpreis inbegriffen.

Beschreibung der HD-Grade (Klassifizierung) nach der FCI:

HD A: Kein Hinweis für eine Hüftgelenksdysplasie
Der Femurkopf und das Acetabulum sind kongruent. Der kraniolaterale Rand des Acetabulum zeigt sich scharf konturiert und läuft abgerundet aus. Der Gelenksspalt ist eng und gleichmässig. Der Winkel nach NORBERG (in Position I) beträgt etwa 105° (als Referenz). Bei hervorragenden Hüftgelenken umgreift der kraniolaterale Acetabulumrand den Femurkopf etwas weiter nach kraniokaudal.

HD B: Fast normale Hüftgelenke
Entweder sind Femurkopf und Acetabulum in geringerem Maße inkongruent mit einem Winkel nach NORBERG (in Position I) von etwa 105° oder das Zentrum des Femurkopfes liegt medial des dorsalen Acetabulumrandes und Femurkopf und Acetabulum sind kongruent (und der Winkel nach NORBERG ist kleiner als 105° jeodch größer als 100°)1

HD C: Leichte Hüftgelenksdysplasie
Femurkopf und Acetabulum sind inkongruent, der Winkel nach NORBERG beträgt etwa 100° und / oder der krankolaterale Rand des Acetabulum ist in geringem Maße abgeflacht. Unschärfen oder höchstens geringe Anzeichen osteoarthronischer Veränderungen des kranialen, kaudalen oder dorsalen Acetabulumrandes, des Femurkopfes oder -halses können vorhanden sein.

HD D: Mittlere Hüftgelenksdysplasie
Deutliche Inkongruenz zwischen Femurkopf und Acetabulum mit Subluxation. Winkel nach NORBERG grösser als 90° (nur als Referenz). Abflachung des kraniolateralen Acetabulumrandes und / oder osteoarthrotische Merkmale.

HD E: Schwere Hüftgelenksdysplasie
Auffällige dysplastische Veränderung an den Hüftgelenken, wie z.B. Luxation oder deutliche Subluxation. Winkel nach NORBERG unter 90°, deutliche Abflachung des kranialen Acetabulumrandes. Deformierung des Femurkopfes (pilzförmig, abgeflacht) oder andere osteoarthrotische Merkmale.

Diese Klassifizierung beruht ausschliesslich auf den röntgenologisch erfassbaren Erscheinungen. Sie ist so eindeutig wie möglich formuliert.

1 Einfügung durch Univ. Doz. Dr. Ewald Köppel, da im Orginaltext diese Passage fehlt, aber nur damit Sinn ergibt.

 

Winkel nach NORBERG

Der physiologische Winkelwert liegt bei 105°. In seinem Wert gegen Form und Ausbildung des Azetabulums und die Lage des Femurkopfes gleichsinnig und gemeinsam ein. Als Bezugspunkte für die Messung dienen jeweils die beiden Femurkopfmittelpunkte und der kranio-laterale Rand desAzetabula. Die Femurkopfmittelpunkte werden mittels einer durchsichtigen Schablone ermittelt, durch eine Gerade miteinander verbunden und der Winkel zwischen dieser geraden und dem kranio-lateralen Pfannenrand jeder Seite einzeln gemessen.

 

Zuchtausschliessung
Ab welchem HD-Befund eine Zuchtausschliessung einhergeht hängt vom Zuchtverband des jeweiligen Landes ab. So gilt in Österreich z.B. Zuchtverbot ab einem Befund von HD-C, in Deutschland ist eine Zucht mit einem Befund von HD-C1 erlaubt, und in anderen Ländern gibt es überhaupt keine Zuchtausschliessung.

Aus der Zuchtordnung des ÖCNHS:
Der HD-Befund beider Elterntiere muss für die Zuchtverwendung gesunde Hüftgelenke bescheinigen. Die Zuchtverwendung eines Hundes mit HD-B (= Verdacht/Übergangsform) ist nur in Verbindung mit einem HD-freien (HD-A) Partner möglich.